Der Schutzdienst - Wertvoll für die Seele des Hovawarts
Keine Disziplin des Hundesports ist so umstritten wie der Schutzhunde-Sport. Diese Sport-Art muß auf Außenstehende angsteinflößend wirken, immerhin beißen Hunde in einen (gepolsterten) Arm, dazu kommt, dass auf einen wenigen Plätzen immernoch althergebrachte Ausbildungsmethoden angewandt werden und damit Hunden körperlich wie seelisch nicht wieder gutzumachende Schäden zugefügt werden. Aber das sind die wenigen schwarzen Schafe, die es in jedem Bereich gibt und darf über den eigentlichen Sinn und die große Wertigkeit, die diese Disziplin für die Hunde hat, nicht hinwegtäuschen.
Wie wird ausgebildet:
Da ich einen damals 7-jährigen Sohn hatte, habe ich mich bevor ich mit Paula mit dem Schutzdienst anfing, sehr genau über das Für und Wider informiert und viel im Internet, wie auch auf verschiedenen Hundeplätzen recherschiert. Ich kann nur über die Ausbildung auf den RZV Plätzen sprechen, aber dort wird der Hund von Welpenbeinen an über den Spiel- und Beutetrieb zu einem selbstbewußten Hund ausgebildet.
Der Welpe fängt an, einen Lederlappen zu jagen und zu erbeuten. Später wird daraus ein Kissen und eine Beißwulst, dann ein Junghund-Arm und schlußendlich der endgültige Schutzhund-Arm, der auch in den Prüfungen eingesetzt wird. Wer einmal gesehen hat, wie stolz ein Hund mit errungener Beute vom Platz marschiert, wird erkennen, dass man speziell einem Gebrauchshund mit entsprechender Triebveranlagung etwas wichtiges vorenthält, wenn er seinen Beutetrieb nicht auf diese Weise ausleben darf.

Von Welpenbeinen an spielt der Schutzdienst-Helfer mit den Hunden und baut Vertrauen auf. Der Hund will im Schutzdienst niemals den Menschen beißen, er will IMMER nur seine Beute "erbeuten". Er lernt aber auch, aus dieser hohen Trieblage heraus sofort wieder im Gehorsam zu sein und auch anschließend wieder mit dem Schutzdiensthelfer freundlich Kontakt aufzunehmen.
Risiko im Alltag durch Schutzdienst?
Da der Fokus ausschließlich auf die Beute gerichtet ist, besteht auch, wie oft unterstellt wird, nicht das Risiko, das im Alltag ungewollte ähnliche Situationen auftauchen und der Hund beißt.
Ganz im Gegenteil ist ein im Schutzdienst vernünftig aufgebauter und gearbeiteter Hund wesentlich ausgeglichener und weniger aggressiv im Alltag, da er seinen Trieb auf vernünftige Weise ausleben kann.
Schutzdienst-Elemente zur Zucht-Selektion:
Für einen Gebrauchshund ist es wichtig, dass er im gewünschten Moment hohen Trieb aufbaut, z.B. um Beute zu machen, aber anschließend auch sofort wieder "runter kommt" und freundlich und freudig im Gehorsam ist. Hunde, die nicht absolut berechenbar und klar im Kopf sind, schaffen diesen Wechsel nicht. Auch im Alltag ist daher ein vielseitig ausgebildeter Hund, der durch den Hundesport mit den verschiedensten Anforderunegn und Stress-Situationen konfrontiert wird, sie erfolgreich meistert und dadurch keine Ängste sondern ein gesundes Selbstbewußtsein aufbaut, ein zuverlässiger und berechenbarer Partner.
Die Hunde, die diesen Anforderungen optimal gerecht werden, sollen in die Zucht. Der Rest mit schlechten Nerven, aggressivem Verhalten oder sonstigen körperlichen und wesens-bedingten Mängeln soll diese Mängel nicht vererben dürfen!
Zitat von Prof. Dr. Dorit Urd Feddersen-Petersen aus "Zum Aggressionsverhalten Deutscher Schäferhunde":
"Zusammenfassend ist bislang festzustellen, dass eine Zuchtauslese, die Hunde mit vielseitigem, ausgewogenem Sozialverhalten fördert, deren Aggressionsverhalten als Regulativ wirksam ist, gut sein muss. Die Auswahlkriterien zur Zucht dieser Rasse sind vielseitig, der Schutzdienst ist so gestaltet worden, dass er ganz sicher nicht mit Aggressionsdressuren, die verhaltensgestörte Tiere erzeugen, da sie unbiologisch und einseitig, insgesamt tierschutzwidrig verlaufen, verwechselt werden darf. Die Entwicklungsrichtung in Bezug auf das Verhalten ist bei den Deutschen Schäferhunden nach den bisherigen Befunden sozialethisch (im Sinne von Hassenstein), indem sie den Erfordernissen des Zusammenlebens hochsozialer Tiere gerecht wird. Bei vielen Haustieren ist dieses nicht der Fall. Einseitige Zuchtauswahl nach (zweifelhaften) Schönheitskriterien unter Vernachlässigung des Verhaltens haben Tiere hervorgebracht, die nach dem § 11 b des Tierschutzgesetzes i. d. Fassung von 1998, als „Qualzuchten“ bezeichnet werden.
ALS KRITERIUM DER ZUCHTAUSWAHL HALTE ICH DEN HEUTIGEN "SCHUTZDIENST" (streng nach der Prüfungsordnung im spielerischen Sinne durchgeführt) FÜR UNVERZICHTBAR.
Zwei Videos von beute-orientiertem Schutzdienst:
http://www.youtube.com/watch?v=1JpbsEkCc54
http://www.hundesport.cc/Video/